Die folgende Darstellung ist eine aktualisierte Online-Version des Kapitels 12 von Göpferich, Susanne (1998): Interkulturelles Technical Writing: Fachliches adressatengerecht vermitteln. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. (Forum für Fachsprachenforschung 40): Tübingen: Narr.

Kommentare, Ergänzungs- und Verbesserungsvorschlage sowie Hinweise zur Aktualisierung sind jederzeit willkommen: susanne.goepferich@zfbk.uni-giessen.de



Dokumentations- und übersetzungsrelevante Software – Ein Überblick

von Susanne Göpferich in Kooperation mit Alexander von Obert


Dieses Dokument bietet einen knappen Überblick über gängige Programme (auch Werkzeuge oder Tools genannt), die heute zur Dokumentationserstellung (Abschnitt 1) sowie beim Übersetzen bzw. Interkulturellen Technical Writing (Abschnitt 2) angewandt werden, und stellt Möglichkeiten vor, die die Telekommunikation Übersetzern und Technischen Redakteuren für den Datenaustausch und die Informationsbeschaffung bietet (Abschnitt 3).
 
1 Dokumentationsrelevante Software
   1.1 Textverarbeitungsprogramme
   1.2 Desktop-Publishing-Programme
   1.3 Graphikprogramme
         1.3.1 Pixel-Graphikprogramme (Malprogramme)
         1.3.2 Vektor-Graphikprogramme (Zeichenprogramme)
         1.3.3 Bildbearbeitungsprogramme
   1.4 Tabellenkalkulations- und Geschäftsgraphikprogramme
   1.5 Präsentationsprogramme
   1.6 SGML- und XML-Editoren
   1.7 HTML-Editoren und Web-Browser
   1.8 Autorensysteme und Multimedia-Anwendungen
   1.9 Programme zur Erleichterung der Textproduktion in kontrollierten Sprachen
2 Übersetzungsrelevante Software
   2.1 Elektronische Wörterbücher, Terminologieextraktionsprogramme und Terminologie-Datenbanken
   2.2 Übersetzungsspeicher-Programme (Translation-Memories)
   2.3 Lokalisierungssoftware
   2.4 Maschinelle Übersetzungssysteme
3 Telekommunikation
4 Weiterführende Literatur

1 Dokumentationsrelevante Software

1.1 Textverarbeitungsprogramme

Die wichtigsten Werkzeuge für Technische Redakteure und Übersetzer sind nach wie vor Textverarbeitungsprogramme. Nahezu jedes Dokument, soll es gedruckt oder online abrufbar gehalten werden, wird zunächst mit einem Textverarbeitungsprogramm erfasst.

Die Druckversionen anspruchsvoller Print-Dokumentationen werden meist mit Desktop-Publishing-Programmen (DTP-Programmen) bearbeitet (s. Abschnitt 1.2). Texte werden damit aber selten erstellt.

Viele Textverarbeitungsprogramme sind heute so komfortabel und leistungsfähig, dass sie zum Erstellen der Vervielfältigungsvorlagen vieler Handbücher (der sog. Mastersätze) eingesetzt werden. Insbesondere bei Handbüchern, die mit Laserdruckern oder damit verwandten Digitaldrucksystemen vervielfältigt werden, ist diese Vorgehensweise weit verbreitet. Heutige Laserdrucker erlauben nicht nur das Abbilden von Screenshots und Strichzeichnungen, sondern auch die durchaus brauchbare Wiedergabe von Fotos.

Auf Windows-Rechnern ist meist MS-Office mit Word installiert. Weitverbreitete Textverarbeitungsprogramme auf Macintosh-Rechnern sind ebenfalls Word und Mac Write.

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1.2 Desktop-Publishing-Programme

Desktop-Publishing-Programme (Desktop Publishing - DTP) dienen dem Zusammenfügen von Texten, Bildern (Graphiken) und sonstigen Gestaltungselementen (wie Linien und Rahmen) zu optisch ansprechenden Dokumenten. Die Einzelteile werden meist in anderen Programmen (Textverarbeitungs- und Graphikprogrammen) erstellt oder bearbeitet.

Der Vorteil von DTP- gegenüber Textverarbeitungsprogrammen liegt in der makro- und mikrotypographischen Gestaltung und damit in den weiter reichenden Möglichkeiten, das Erscheinungsbild von Drucksachen zu verbessern. Auch erfüllen sie weit besser die Anforderungen der Druckvorstufe, etwa der Vierfarbseparation. Hierunter versteht man die Aufteilung von farbig gestalteten Graphiken oder Seiten in vier einzelne Abzüge, die jeweils einen der vier Farbanteile Cyan (Türkis), Magenta (Pink), Gelb und Schwarz enthalten (1) und von Druckereien für den Offset-Vierfarbdruck benötigt werden.

Lange Zeit wurden auch in der technischen Dokumentation DTP-Programme wie PageMaker, FrameMaker, Interleaf (Quicksilver) oder InDesign eingesetzt. In den letzten Jahren nimmt die Bedeutung integrierter Autorensysteme wie AuthorIT, Madcap Flare und Schema ST4 zu, die den ganzen, arbeitsteiligen Produktionsprozess bis hin zu elektronischen, aber auch herkömmlichen Medien unterstützen. Zunehmend wird dabei das Datenformat XML eingesetzt.

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1.3 Graphikprogramme

Graphikprogramme dienen der Erstellung und Bearbeitung von Bildern (Graphiken). Bei ihnen unterscheidet man zwei Kategorien:

  • Bitmaps (auch Pixel-Graphiken genannt)
    Hier sind die Bildinformationen Punkt für Punkt gespeichert. Scanner erzeugen ausschließlich solche Bitmaps.
  • Vektor-Graphiken (auch Objekt-Graphiken oder Zeichnungen genannt)
    In ihnen sind die einzelnen Informationen als Objekte gespeichert, d. h., dass beispielsweise ein Kreis innerhalb einer Graphik nicht wie in Bitmaps aus einer Sammlung von Punkten besteht, sondern z. B. in Form der X- und Y-Koordinaten seines Mittelpunktes und seines Radius gespeichert wird.

Programme zur Erstellung und Bearbeitung von Bitmaps bezeichnet man als Pixel- oder Bitmap-Graphikprogramme (auch Malprogramme oder Paint-Programme; s. Abschnitt 1.3.1). Zu ihnen gehören auch die sog. Bildbearbeitungsprogramme (s. Abschnitt 1.3.3). Programme zur Erstellung und Bearbeitung von Vektorgraphiken werden Vektor-Graphikprogramme (auch Zeichenprogramme oder Illustrationsprogramme) genannt. Zu den Vektor-Graphikprogrammen gehören auch CAD-Programme (CAD - Computer-Aided Design), wie z. B. AutoCAD, für technische Zeichnungen. Ferner gibt es Programme, wie das im Bereich der technischen Illustration häufig eingesetzte IsoDraw, die die Funktionalität von Vektor-Graphikprogrammen mit den Möglichkeiten von Pixel-Graphikprogrammen vereinen (wie z. B. dem Füllen beliebiger Flächen mit einem Füllwerkzeug).

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1.3.1 Pixel-Graphikprogramme (Malprogramme)

Die einfache Struktur, in der die Bildinformationen in Bitmaps gespeichert werden (Pixel für Pixel), bringt den Vorteil mit sich, dass Bitmaps in Mal- und Bildbearbeitungsprogrammen (s. Abschnitt 1.3.3) schneller verarbeitet werden können als Vektorgraphiken in Zeichen- und CAD-Programmen.

Weitere Vorteile von Bitmaps bzw. Pixel-Graphikprogrammen sind, dass sie eine pixelweise Bearbeitung zulassen und spezielle Maltechniken, wie das Sprühen und Verwischen, ermöglichen. Nachteile sind, dass Bitmaps sehr viel Speicherplatz benötigen, dass Bildvergrößerungen und -verkleinerungen mit deutlichen Qualitätsverlusten verbunden sind (Treppeneffekte) und der Rechner nicht zwischen den einzelnen Objekten unterscheiden kann, aus denen sich eine Bitmap zusammensetzt, was sich beispielsweise beim Verschieben von Elementen nachteilig auswirkt (der Hintergrund wird stets mitverschoben).

Zu den gängigen Pixel-Graphikprogrammen für IBM-kompatible Rechner gehören Paintbrush, Publishers Paintbrush und Deluxe Paint, für den Macintosh Mac Paint.

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1.3.2 Vektor-Graphikprogramme (Zeichenprogramme)

In Vektor-Graphikprogrammen werden die einzelnen Bestandteile einer Graphik aus Grundelementen wie Linien und Kurven zusammengesetzt und in Form von Koordinatenangaben und mathematischen Vektoren gespeichert (s. Abschnitt 1.3).

Dies hat den Vorteil, dass sich die entsprechenden Graphiken stufenlos ohne Qualitätsverluste vergrößern und verkleinern lassen.

Häufig eingesetzte Vektor-Graphikprogramme für IBM-kompatible PCs (unter Windows) sind CorelDraw, Freehand, Illustrator, Designer und Microsoft Draw, für den Macintosh Freehand, Illustrator und Canvas.

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1.3.3 Bildbearbeitungsprogramme

Bildbearbeitungsprogramme werden eingesetzt, um mit einem Scanner eingelesene Bilder (meist Fotos) zu retuschieren und auszudrucken.

Die Bildbearbeitungsmöglichkeiten in diesen Programmen umfassen u. a. das Modifizieren von Bildern mit verschiedenen Werkzeugen, das Kopieren, Entfernen und Verschieben von Bildelementen sowie die Veränderung von Kontrast, Helligkeit und Bildschärfe. Zum Erhöhen der Schärfe und zum Verhindern von Moiré-Effekten bei bereits gerasterten Vorlagen (d. h. unerwünschten Mustern, die beim Drucken durch die Überlagerung von zwei oder mehr Rastern entstehen) dienen Filter. Meist übernehmen Bildbearbeitungsprogramme auch die Ansteuerung des Scanners (Kalibrierung, Bestimmung des zu scannenden Bildausschnitts und der Scan-Auflösung). Neben einer Vierfarbseparation (s. Abschnitt 1.2) bieten leistungsfähige Bildbearbeitungsprogramme auch die Möglichkeit, Bilddateien in andere Bildformate (wie *.tif oder *.eps) zu konvertieren, damit sie dann z. B. in einem DTP-Programm weiterverarbeitet werden können.

Das bekannteste Bildbearbeitungsprogramm ist Photoshop von Adobe (für Macintosh und Windows). Weitere Bildbearbeitungsprogramme für IBM-kompatible PCs unter Windows sind Picture Publisher und Paintshop Pro. Weniger leistungsfähige Bildbearbeitungsmodule sind auch in CorelDraw und im Lieferumfang von Scannern enthalten.

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1.4 Tabellenkalkulations- und Geschäftsgraphikprogramme

Tabellenkalkulationsprogramme dienen dem Umgang mit Zahlen. Die Zahlen werden hier in tabellenförmig angelegte Rechenblätter (sog. Spreadsheets) eingetragen.

Diese Spreadsheets bestehen aus durchnumerierten Zeilen und Spalten. Die Felder der Tabelle (Zellen genannt) können somit über ihre Zeilen- und Spaltennummer angesprochen, die Werte in den einzelnen Zellen über arithmetische und andere Operationen verknüpft und die Ergebnisse wierderum anderen Zellen zugewiesen werden.

Tabellenkalkulationsprogramme umfassen in der Regel auch Graphikmodule, mit denen sich die Inhalte der Spreadsheets oder Ausschnitte daraus in Diagramme (z. B. Linien-, Balken- oder Tortendiagramme) umsetzen lassen, die die Beziehungen zwischen den Zahlenwerten veranschaulichen.

Diese Aufgabe können auch separate Geschäftsgraphikprogramme übernehmen. Letztere unterscheiden sich dabei von den Graphikmodulen in Tabellenkalkulationsprogrammen durch einen größeren Leistungsumfang (u. a. eine größere Auswahl von Diagrammarten). Zu diesem größeren Leistungsumfang gehört auch die Möglichkeit, Organigramme und Textschaubilder, also nicht auf Zahlen basierende Diagramme, zu erstellen, was mit den meisten Tabellenkalkulationsprogrammen nicht möglich ist. In der Regel bieten Geschäftsgraphikprogramme auch spezielle Funktionen bzw. Zusatzprogramme zur Präsentation der Geschäftsgraphiken am Bildschirm, mit denen sich beispielsweise einstellen lässt, in welchen Zeitabständen und mit welcher Verweildauer die verschiedenen Graphiken selbsttätig eingeblendet werden.

Zu den bekanntesten Tabellenkalkulationsprogrammen für IBM-kompatible Rechner gehören Excel und Lotus 1-2-3, wobei Excel auch auf dem Macintosh am weitesten verbreitet ist. Die gängigsten Geschäftsgraphikprogramme sind Powerpoint (auf IBM-kompatiblen PCs unter Windows und auf Macintosh-Rechnern) und Harvard Graphics (nur für IBM-kompatible PCs).

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1.5 Präsentationsprogramme

Präsentationsprogramme werden verwendet, um Overhead-Folien zu erstellen oder Präsentationen, die entweder direkt am Bildschirm vorgeführt werden oder aber vom Rechner aus über einen Beamer an eine Wand projiziert werden können.

Für Overhead-Folien bieten diese Programme in der Regel eine Reihe von Gestaltungsmustern (Hintergründe, Textanordnungen), die lediglich mit den eigenen Inhalten überschrieben werden müssen. Außerdem besteht oftmals auch die Möglichkeit, die Inhalte mehrerer Overhead-Folien auf einer Seite verkleinert auf Papier (gegebenenfalls mit Notizen) ausdrucken zu lassen (als Handout).

Bei Online-Präsentationen kann man die einzelnen Elemente einer Präsentationsseite erst nach und nach einblenden und Elemente beispielsweise rotieren lassen. Dabei kann auch die Art der Übergänge von einem Bild zum nächsten festgelegt werden. Sehr leistungsfähige Präsentationsprogramme erlauben außerdem eine akustische Untermalung.

Das heute am häufigsten eingesetzte Präsentationsprogramm dürfte Powerpoint (s. Abschnitt 1.4) sein; ein weiteres ist Compel.

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1.6 XML-Autorensysteme

XML (Extended Markup Language) wurde aus SGML (Standard Generalized Markup Language) (ISO 8879:1987) entwickelt. Grundkonzept ist die inhaltliche Auszeichnung.

Hier werden dem Rechner zusätzliche Informationen über den Inhalt der Dokumente, sogenannte Metadaten, zur Verfügung stellt. Auf dieser Basis können zahlreiche Beareitungsschritte automatisiert werden, die herkömmlicherweise sehr aufwändig waren.

Jedes XML-Dokument muss einer formalen Strukturvorschrift entsprechen, damit es automatisch weiter verarbeitet werden kann. Diese Strukturbeschreibungen können die Form einer Document Type Definition (DTD) oder eines XML-Schemas haben. Beide Strukturbeschreibungen enthalten keinerlei Gestaltungshinweise. Diese werden für jedes Ausgabeformat (Ausgabeinstanz) speziell festgelegt. XML-Dokumente können so plattform- und programmübergreifend genutzt und weiterverarbeitet werden; d. h., einmal EDV-technisch erfasste Daten können mit geringstem Neuformatierungsaufwand in anderen Dokumenten weiter genutzt werden. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn z. B. die gleichen Informationen sowohl in Print-Dokumenten als auch online bereitgestellt werden sollen.

XML-Editoren sind zumeist nur ein Element einer XML-Arbeitsumgebung. Das ganze Potential von XML lässt sich nur in einem integrierten System nutzen, dessen Beschaffung und Anpassung in der Regel sechs- bis siebenstellige Euro-Beträge kostet.

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1.7 HTML-Editoren und Web-Browser

HTML (HyperText Markup Language) ist die Beschreibungssprache für Hypermedia-Dokumente im World Wide Web.

HTML basiert auf SGML (s. Abschnitt 1.6). Zur Erstellung solcher Dokumente werden HTML-Editoren eingesetzt, wie z. B. FrontPage, HomeSite, Page Mill, AOL Press, Hot Metal Pro, Hot Dog, HTMLed oder SchemaTextWWW. Ferner bieten Word und Excel ab Version 8.0 die Möglichkeit, Texte direkt im HTML-Format abzuspeichern. Zum Betrachten dieser Dokumente und zum Blättern durch sie wird ein Browser, z. B. Netscape Navigator oder Internet Explorer, benötigt. Die genannten Browser beinhalten ebenfalls einen Editor.


 
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1.8 Autorensysteme für Multimedia-Anwendungen

Autorensysteme sind eine Art DTP-Programme' für Online-Dokumente. Sie ermöglichen die Kombination von Texten, statischen Bildern, Videosequenzen, Animationen und akustischen Elementen (gesprochene Sprache, Geräusche, Musik) zu multimedialen Anwendungen.

Hierzu gehören Präsentationen, die z. B. auf Messeständen am Bildschirm selbsttätig oder benutzergesteuert ablaufen, interaktive Lernprogramme, sog. Computer-Based Trainings (CBTs), wie sie heute u. a. mit vielen Anwendungsprogrammen als Online-Tutorial mitgeliefert werden, aber auch multimediale Online-Dokumentationen (z. B. Wartungsanleitungen), in denen der Benutzer am Bildschirm Instruktionen nicht nur in Textform erhält, sondern z. B. durch Anklicken eines bestimmten Symbols auch eine Videosequenz abrufen kann, in der ihm vorgeführt wird, wie bestimmte Komponenten bei einem Wartungsvorgang zu handhaben sind.

Häufig eingesetzte Programme dieser Art sind Toolbook und Macromedia Director sowie Hypercard für den Macintosh.

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1.9 Programme zur Erleichterung der Textproduktion in kontrollierten Sprachen

Zur Unterstützung von Autoren bei der Einhaltung der lexikalischen, grammatischen/syntaktischen, stilistischen und formalen Beschränkungen, die kontrollierte Sprachen auferlegen, wurden Prüfprogramme, sog. Controlled Language Checkers oder Conformance Checkers, entwickelt. Solche Prüfprogramme können Module umfassen zur Rechtschreibprüfung, zur Grammatikprüfung , zur Terminologiekontrolle, zur Stilprüfung sowie zur Konsistenzprüfung.

Im Falle von CLAT (Controlled Language Authoring Technololgy, ehemals MULITLINT) können diese Module in beliebiger Kombination von einem SGML/XML-Editor aus, in dem die Dokumentation erstellt wird, aufgerufen werden. Textbestandteile, die gegen die Regeln der kontrollierten Sprache verstoßen, werden von derartigen Prüfprogrammen hervorgehoben; es erscheint eine Klassifikation des Fehlers und gegebenenfalls auch ein Korrekturvorschlag. Im Falle von CLAT kann der Verfasser vor der Textprüfung Parameter festlegen wie die Textfunktion (d. h. instruktiv oder deskriptiv, wobei diese Festlegung eine Auswirkung hat auf die Stilregeln, die das Programm der Textprüfung zugrunde legt), das Fachgebiet, dem der Text entstammt, sowie die Sprache und Ausführlichkeit, in der die Meldungen des Prüfprogramms erscheinen.

Um dem Verfasser ein gewisses Maß an Gestaltungsspielraum zu gewähren, ermöglicht es CLAT auch, bestimmte lexikalische Einheiten und grammatische Strukturen von der Prüfung auszuschließen. Die so von der Prüfung ausgenommenen lexikalischen Einheiten werden vom System in einer autorspezifischen Wortliste gespeichert, die später überprüft und deren Inhalte dann gegebenenfalls dem zulässigen Wortschatz hinzugefügt werden können.

Während viele Prüfprogramme nur die Einhaltung firmenspezifischer Textproduktionsstandards abprüfen, wurden inzwischen auch Programme kommerzialisiert, die bei der Einhaltung firmenübergreifender Standards unterstützen. Hierzu gehören neben CLAT und acrocheck auch MAXit (Smart Communications, New York), das die Textproduktion in Simplified Technical English (STE) und Controlled English (CE), einer auf dem STE basierenden, aber weniger eng auf die Luft- und Raumfahrtindustrie zugeschnittenen kontrollierten Sprache, unterstützt.

MAXit überprüft Texte wahlweise auf die Einhaltung der Anforderungen des STE oder des CE. Nachdem der Autor seinen Text erstellt hat, wobei er eine Wörterbuchnachschlagefunktion nutzen kann, aktiviert er MAXit aus seinem Textverarbeitungs- bzw. DTP-Programm heraus. MAXit analysiert dann den Text (Parsing) wahlweise absatzweise, seitenweise oder insgesamt und vergleicht die Ergebnisse mit den Anforderungen der kontrollierten Sprache.

Die problematischen Stellen werden im Text optisch hervorgehoben und jeweils einer der 40 MAXit-Fehlerklassen zugeordnet. Die entsprechende Fehlerklasse wird dabei zu jeder problematischen Stelle mit angegeben. Wählt der Autor die betreffende Fehlermeldung an, zeigt ihm MAXit einen Korrekturvorschlag und/oder eine Fehlererklärung an, die ihn bei der Umformulierung bzw. Korrektur des Textes unterstützt.

Wie MAXit bieten auch die anderen Tools zur Unterstützung der Textproduktion in einer kontrollierten Sprache, die heute auf dem Markt sind, dem Autor erst Hilfe an, wenn er bereits eine Textversion formuliert hat: Nach der Formulierung eines Textstücks ruft der Autor das Prüfprogramm auf, dieses analysiert den Text dann Satz für Satz und hebt problematische Stellen hervor.

Die neuesten Bestrebungen gehen dahin, Autorensysteme zu entwickeln, die den Verfasser bereits bei der Erstformulierung interaktiv unterstützen, indem sie ihm aus einem Textversatzstück-Speicher mit Formulierungen aus Vorläuferdokumenten beim Schreiben jeweils Formulierungen anbieten, die zur Versprachlichung gleicher oder ähnlicher Sachverhalte früher einmal verwendet wurden. In Analogie zu Translation-Memory-Programmen könnte man diese Systeme als Authoring-Memory-Programme bezeichnen.

Eine weitere Herausforderung auf dem Gebiet der kontrollierten Sprachen besteht in der Entwicklung sog. automatic rewriting systems, also Umformulierungssystemen, die teilkontrolliertsprachige Texte automatisch bzw. teilautomatisch (d. h. interaktiv) in eine stärker kontrollierte Sprache übersetzen, wie sie beispielsweise als Input für ein MÜ-System benötigt wird. Das Problem, das hierdurch gelöst werden könnte, besteht darin, dass die Akzeptanz einer kontrollierten Sprache mit der Zunahme der Restriktivität des Korsetts, in das sie den Technischen Redakteur zwängt, abnimmt. Mit automatischen Umformulierungssystemen könnte man nun einen Kompromiss eingehen: Die Autoren werden verpflichtet, ein Regelinventar einzuhalten, dessen restriktiver Charakter von ihnen noch akzeptiert wird. Die Anpassung an ein noch strikteres Regelinventar könnte dann die Maschine übernehmen.

Eine Alternative zur Einhaltung des Regelwerks einer kontrollierten Sprache bei der Produktion maschinell zu übersetzender Texte könnte in Zukunft auch die Anwendung bestimmter Tagging-Verfahren auf nicht-kontrolliertsprachige Texte sein. Hier wird derzeit erprobt, inwiefern sich die Qualität der maschinellen Übersetzung dadurch verbessern lässt, dass man nicht-kontrolliertsprachige Texte vor der Übersetzung mit XML-Tags versieht, die linguistische Zusatzinformationen tragen und dadurch die Analyse durch das MÜ-System vereinfachen. Auf diese Weise soll dem MÜ-System beispielsweise die Interpretation' komplexer Satzstrukturen erleichtert bzw. erst ermöglicht werden.

Neben CLAT, acrocheck und MAXit unterstützen die folgenden Programme die Textproduktion in kontrollierten Sprachen: Language Manager (LM; X.Systems), ClearCheck (Carnegie Group), der Simplified English Checker (SEC), der Simplified English Checker/Corrector (SECC; Campbell Systems), CLarity (Cap Gemini), der Boing Simplified English Checker (Lernout & Hauspie), der Boing Technical English Checker und der Boing Plain Language Checker, LantMaster (Lant) sowie das SE Exceptions Dictionary (Eclipse Tbs) und asset, eine elektronische Version des AECMA SE Guide.

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2 Übersetzungsrelevante Software

Gegenstand dieses Abschnitts sind Programme, die dazu beitragen, den Übersetzungsprozess zu rationalisieren.

Sie unterstützen den Übersetzer bei der Terminologieaufbereitung und -pflege sowie terminologischen Recherchen (in elektronischen Wörterbüchern bzw. Terminologie-Datenbanken; s. Abschnitt 2.1), übernehmen für ihn die Aufgabe, Übersetzungen von Textpassagen, die schon einmal übersetzt wurden und für eine neue Übersetzung wieder benötigt werden, aufzufinden und an den entsprechenden Stellen einzufügen (s. Abschnitt 2.2), erleichtern ihm die Übersetzung bzw. Lokalisierung von Software (s. Abschnitt 2.3) und erstellen automatisch (Roh-)Übersetzungen (s. Abschnitt 2.4).
 

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2.1 Elektronische Wörterbücher, Terminologieextraktionsprogramme und Terminologie-Datenbanken

Beim Übersetzen fachsprachlicher Texte entfällt ein relativ großer Zeitanteil auf die Recherche von Fachterminologie.

Traditionelle Hilfsmittel, die bei solchen terminologischen Recherchen genutzt werden, sind gedruckte Fachwörterbücher und Lexika, selbsterstellte Karteien und Fachliteratur (Bücher, Zeitschriften und Zeitungen). Diese traditionellen Hilfsmittel, liegen sie in Buchform vor, weisen jedoch den Nachteil auf, dass sie neuere und neueste Entwicklungen und damit auch deren Terminologie schon herstellungsbedingt nicht abdecken können und rasch veralten und/oder dass sie eine gezielte Suche nach bestimmten Informationen – wie dies in Online-Dokumenten etwa mit Suche-Funktionen möglich ist – nicht gestatten. Hinzu kommt noch der Nachteil, dass das Nachschlagen in diesen Papiermedien, die sich bei der Arbeit am Computer neben diesem aufstapeln, als lästige Unterbrechung der Bildschirmarbeit empfunden wird.

Diese Nachteile lassen sich mit elektronischen Nachschlagewerken und Terminologie-Datenbanken umgehen. Diese können entweder auf dem eigenen Rechner installiert sein oder aber ber das Internet konsultiert werden.

Gute Ausgangspunkte für die Suche nach Nachschlagewerken (gedruckt sowie auf Diskette/CD-ROM) und kommerzielle Terminologie-Verwaltungsprogramme für den eigenen PC sowie Informationen zum Zugang zu Online-Nachschlagewerken (vor allem Wörterbüchern) und Terminologie-Datenbanken im Internet sind die folgenden Adressen:

Eine der größten Terminologie-Datenbanken, die über das Internet abgefragt werden können, ist die Terminologiedatenbank der EU IATE (Inter-Active Terminology for Europe). Sie vereint die bisher separat gepflegten Terminologiebestnde verschiedener EU-bersetzungsdienste und enthlt rund 1,4 Millionen Eintrge. In sie flossen die Bestnde aus den Terminologiedatenbanken Eurodicautom (Kommission), TIS (Rat), Euterpe (Parlament), Euroterms (bersetzungszentrum) und CDCTERM (Rechnungshof) ein. Man findet in dieser Datenbank auch Einträge zu sehr spezifischen Begriffen und aktuellsten Themen sowie zahlreiche Abkürzungen mit ihrer Langform.

Komfortable Terminologie-Verwaltungsprogramme für den eigenen PC bieten unabhängig vom Umfang der Datenbank einen praktisch verzögerungsfreien Zugriff auf terminologische Einträge, erlauben die Suche nach verschiedensten Kriterien (z. B. nach Stichwort, Abkürzung, Sachgebiet), wobei auch eine Fragmentsuche möglich ist, und können zur Erstellung reproreifer Druckvorlagen für Nachschlagewerke genutzt werden.

Die Firmen across, SDL MultiTerm und Star bieten für ihre Terminologie-Verwaltungssysteme crossTerm, SDL MulitTerm bzw. TermStar ein Web-Interface an, mit dem entsprechende Datenbanken im Internet bereitgestellt werden können. Eine solche mit SDL MultiTerm realisierte und dem entsprechenden Web-Interface bereitgestellte Terminologie-Datenbank ist TermITAT, die Terminologiedatenbank des Instituts für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (ITAT) der Karl-Franzens-Universität Graz.

TermITAT-Logo TermITAT – Die Terminologie-Datenbank des Instituts für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz
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2.2 Übersetzungsspeicher-Programme (Translation Memories)

Die Aufgabe von Translation Memories (genauer: Translation-Memory-Programmen oder Translation-Memory-Systemen, kurz TMS) ist es, dem Übersetzer die erneute Übersetzung von Textsegmenten abzunehmen, die bereits einmal übersetzt wurden.

Um diese Aufgabe übernehmen zu können, muss das Programm auf einen Speicher, das eigentliche Translation Memory, zugreifen können, der Ausgangstexte mit ihren Übersetzungen enthält. Nach der Art und Weise, in der dieser Übersetzungsspeicher strukturiert ist, unterscheidet man datenbankgestützte Translation-Memory-Programme (wie Translator's Workbench) und solche, deren Übersetzungsspeicher aus Textdateipaaren besteht (z. B. Transit).

Im Übersetzungsspeicher von datenbankgestützten Translation-Memory-Programmen sind die Übersetzungseinheiten in Datensätzen abgelegt. Ein Datensatz umfasst mindestens eine ausgangssprachliche und die dazugehörige zielsprachliche Übersetzungseinheit. Darüber hinaus kann jeder Datensatz noch administrative Angaben enthalten, wie etwa den Namen des Projekts, dem der Datensatz entstammt, den Namen des Übersetzers und das Übersetzungsdatum.

Bei den Textdateipaaren, die den Übersetzungsspeicher des zweiten Typs von Translation-Memory-Programmen bilden, handelt es sich jeweils um eine Datei mit den ausgangssprachlichen Übersetzungseinheiten und eine Datei mit deren zielsprachlichen Entsprechungen. Ausgangssprachliche und zielsprachliche Übersetzungseinheiten sind dabei in den Dateiein jeweils durchnumeriert, so dass die Entsprechungen einander über die Numerierung zugeordnet werden können. Welche zielsprachliche Datei zu welcher ausgangssprachlichen gehört, ist daran zu erkennen, dass einander entsprechende Dateien jeweils denselben Dateinamen aufweisen und sich nur in der sprachspezifischen Dateinamenerweiterung unterscheiden (z. B. handbuch.ger und handbuch.eng für die deutsche Handbuchversion mit ihrer englischen Übersetzung). Für ein Übersetzungsprojekt kann eine beliebige Anzahl solcher Dateipaare als Übersetzungsspeicher (Referenzmaterial) genutzt werden.

In beiden Arten von Translation-Memory-Programmen wird der Übersetzungsspeicher im Regelfall dadurch gefüllt, dass der Übersetzer einen in elektronischer Form vorliegenden Text in dem Translation-Memory-Programm selbst übersetzt, wobei das Translation-Memory-Programm den Ausgangstext und seine Übersetzung nach einem bestimmten Algorithmus in Segmente aufteilt und die ausgangssprachigen Segmente den ihnen entsprechenden zielsprachigen zuordnet. Diese Textsegmentpaare stehen dann für zukünftig in dem Translation-Memory-Programm anzufertigende Übersetzungen zur Verfügung.

Enthält der neu zu übersetzende Ausgangstext Segmente, die im Übersetzungsspeicher des Translation-Memory-Programms bereits enthalten sind, so kann deren Übersetzung fertig aus dem Übersetzungsspeicher in die zielsprachige Version übernommen werden.

Eine sog. Fuzzy-Match-Funktion sorgt dabei dafür, dass aus dem Übersetzungsspeicher auch die Übersetzungen solcher Segmente abgerufen werden können, die mit den zu übersetzenden nicht identisch, ihnen jedoch ähnlich sind. Als ähnlich sind z. B. zwei Segmente zu betrachten, die sich lediglich in einem Zahlenwert unterscheiden, der in ihnen vorkommt. Bei der Übernahme der Übersetzung eines solchen lediglich ähnlichen Textsegmentes werden die Abweichungen am Bildschirm hervorgehoben, so dass der Übersetzer sie sofort erkennt und mit den aktuellen Werten überschreiben kann.

In Translation-Memory-Programme sind außerdem Wörterbücher oder Terminologie-Datenbanken integriert. Ihre Inhalte erscheinen in einem separaten Fenster, wobei die Informationen aus dem Wörterbuch bzw. der Datenbank, die für die gerade zu übersetzende Passage relevant sind, in diesem Fenster automatisch aufgeschlagen' werden. Gewünschte Inhalte können auf Tastendruck aus dem Wörterbuch bzw. der Datenbank in die Übersetzung übernommen werden.

Ein weiterer Vorteil von Translation-Memory-Programmen besteht darin, dass in ihnen die Übersetzungen von Ausgangstexten in den unterschiedlichsten Formaten erstellt werden können. Translation-Memory-Programme behandeln die Formatierungsdaten des Ausgangstextes bei entsprechender Voreinstellung so, dass sie beim Übersetzungsvorgang, in dem die ausgangssprachige Version durch die zielsprachige überschrieben wird, nicht versehentlich verändert werden können. Hierdurch wird sichergestellt, dass die zielsprachige Version exakt die gleiche Formatierung aufweist wie der Ausgangstext, ohne dass hierfür zusätzlicher Aufwand oder die Erlernung des Umgangs mit dem Programm nötig wird, in dem der Ausgangstext erstellt wurde (wobei die von den Translation-Memory-Programmen unterstützten Formate natürlich auf die gängigsten begrenzt sind).

Eine Rationalisierung des Übersetzungsprozesses lässt sich mit Translation-Memory-Programmen vor allem dann erzielen, wenn Updates von Texten, z. B. Manuals, zu übersetzen sind oder aber Texte, in denen immer wieder bestimmte standardisierte Passagen vorkommen (z. B. Vertragstexte, Geschäftsbriefe u. dgl.). Neben einer Beschleunigung des Übersetzungsprozesses bringt der Einsatz von Translation-Memory-Programmen auch den Vorteil größerer Konsistenz in der Terminologie und in den Formulierungen mit sich. Um diese Vorteile in vollem Umfang nutzen zu können, muss natürlich sichergestellt werden, dass gleiche Inhalte auch in den Ausgangstexten stets auf dieselbe Weise versprachlicht werden. Die Nutzung einer kontrollierten Sprache sowie die Einhaltung von Leitlinien zur Abfassung verständlicher Texte stellen einen wesentlichen Beitrag hierzu dar.

Kommerzielle Translation-Memory-Programme sind Translator's Workbench, Transit, crossTank, Translation Manager, Déjà Vu und Eurolang Optimizer.

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2.3 Lokalisierungssoftware

Speziell für die Übersetzung bzw. Lokalisierung von Softwaredateien, die sowohl aus zu übersetzendem Text als auch aus Programmcode bestehen, der größtenteils nicht verändert werden darf, gibt es spezielle Lokalisierungsprogramme, mit denen der zu bearbeitende Text WYSIWYG (What You See Is What You Get) übersetzt werden kann und die zugleich eine komfortable Größenanpassung von Schaltflächen, Dialogboxen u. dgl. erlauben.

Um beispielsweise den Inhalt einer Dialogbox vom Englischen ins Deutsche zu übertragen, braucht der Übersetzer sich bei der Nutzung eines solchen Tools nicht durch unübersichtlichen Code zu wühlen', sondern er kann den englischen Text in einem Editierfeld direkt mit dem deutschen überschreiben und sieht dann sofort das Ergebnis in der entsprechenden Dialogbox.

Beispiele für solche kommerziell erhältlichen Lokalisierungstools sind Corel Catalyst, Passolo und KT International Superlinguist.

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2.4 Maschinelle Übersetzungssysteme

Im Gegensatz zu Translation-Memory-Programmen, die dem Übersetzer den eigentlichen Übersetzungsprozess nicht abnehmen, sondern ihn nur von repetitiven Vorgängen entlasten, übersetzen maschinelle Übersetzungssysteme (auch automatische Übersetzungssysteme genannt), selbsttätig.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie den menschlichen Übersetzer überflüssig machen. Zum ersten eignet sich die maschinelle Übersetzung nur für bestimmte Textsorten. Literarische Texte, Texte in Marketing-Broschüren, Werbetexte und Wortspiele werden sich wohl niemals maschinell übersetzen lassen. Zum zweiten hängt die Übersetzungsqualität, die ein maschinelles Übersetzungssystem liefert, in erheblichem Maße davon ab, ob der Ausgangstext übersetzungsgerecht erstellt wurde (Pre-Editing). Zum dritten ist sie vom Umfang und der Qualität der Inhalte der Datenbank abhängig, auf die das maschinelle Übersetzungssystem zugreift. Solche Datenbanken zu speisen erfordert ein hohes Maß an übersetzerischer Kompetenz und damit menschliche Übersetzer.(2) Und schließlich müssen maschinell übersetzte Texte in der Regel vom Menschen überarbeitet werden, wenn sie nicht lediglich als Grobinformationen über die übersetzten Ausgangstexte genutzt werden sollen (Post-Editing).

Wirtschaftlich einsetzen lassen sich maschinelle Übersetzungssysteme bei großen Übersetzungsaufkommen zu bestimmten gleichbleibenden Textsorten und Fachgebieten (so dass immer wieder dieselbe Terminologie und dieselben Konstruktionen benötigt werden). Um bessere Ergebnisse zu erzielen, empfiehlt es sich auch hier, die maschinell zu übersetzenden Ausgangstexte in einer kontrollierten Sprache abzufassen, die an das maschinelle Übersetzungssystem angepasst ist.

Während maschinelle Übersetzungssysteme lange nur auf Großrechnern liefen, gibt es heute auch zahlreiche auf PCs lauffähige Versionen. Zu den komfortableren unter ihnen gehren Logos und Systran; weitere sind Personal Translator, Langenscheidt T1 und Power Translator. Selbst zu Preisen unter 100 Euro werden heute Übersetzungsprogramme angeboten, unter anderem auch solche, die ausschließlich Web-Seiten übersetzen.

Im Internet stehen maschinelle Übersetzungssysteme zur Online-Nutzung zur Verfügung. Um einen Text von ihnen übersetzen zu lassen, wird er in ein Fenster eingegeben (oder per Cut-and-Paste eingefügt) und der Übersetzungsprozess dann gestartet. Web-Seiten kann man übersetzen lassen, indem man lediglich die URL der zu übersetzenden Seite eingibt; als Übersetzungsergebnis erhält man die gleiche Web-Seite in der Zielsprache. Zugriff auf solche online nutzbaren maschinellen Übersetzungssysteme erhält man über:

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3 Telekommunikation

Als Telekommunikation bezeichnet man alle Formen der elektronischen Informationsübermittlung über größere Entfernungen hinweg.

Unter sie fallen:

  • Sprachkommunikation (z. B. Telefon, Rundfunk)
  • Bildkommunikation (z. B. Fax)
  • kombinierte Bild- und Sprachkommunikation (z. B. Fernsehen, Bildtelefon, Videokonferenz)
  • textorientierte Kommunikation (z. B. E-Mail)
  • Datenfernübertragung (DFÜ; in der Regel über das Internet)

Speziell für Übersetzer, Dolmetscher und Interkulturelle Technische Redakteure bietet die Nutzung von Telekommunikationsmöglichkeiten Vorteile in den folgenden Bereichen:

  • Informationsakquisition:
    Wer auf einen raschen Zugriff auf aktuelle Informationen, die unter Umständen nur am anderen Ende der Welt verfügbar sind, angewiesen ist, kommt heute ohne die Nutzung der Möglichkeiten der Telekommunikation nicht mehr aus. Dies gilt in besonderem Maße für Übersetzer, für die Zeitdruck bei der Anfertigung von Übersetzungen – und damit auch der Informationsbeschaffung – eher die Regel als die Ausnahme ist und die zudem zur Klärung von Detailfragen, etwa im Bereich der Terminologie, auf die rasche Kommunikation mit Berufskollegen (Muttersprachlern) in anderen Ländern angewiesen sind.
  • Suche von Übersetzern/Auftragsakquisition:
    Die Möglichkeiten der Telekommunikation werden heute zunehmend auch von Auftraggebern genutzt, um gezielt Übersetzer für bestimmte Sprachen und Fachgebiete zu finden, aber auch von Übersetzern, um Aufträge zu akquirieren. Dabei kommen ihnen u. a. Online-Mitgliederverzeichnisse entgegen, wie sie beispielsweise der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) im Internet unterhält. In ihnen können sich potentielle Auftraggeber über Suchkriterien wie Ausgangssprache, Zielsprache und Fachgebiet Listen von Übersetzern ausgeben lassen, die für eine bestimmte Übersetzung in Frage kommen. Die BDÜ-Mitgliederdatenbank kann über den Link "Online-Service" auf der BDÜ-Homepage aufgerufen werden: Die Internet-Adresse der Übersetzerdatenbank der Northern California Translators Association (NCTA) lautet:
  • Datenaustausch:
    Schließlich erfolgt heute auch der Versand' von Ausgangstexten und Übersetzungen immer häufiger über das Internet, was Auftraggeber und Übersetzer vom konventionellen Postdienst und dessen Öffnungszeiten unabhängig macht und die Versandzeiten' verkürzt.

Zumeist werden die Dateien als Anhänge an E-Mails versandt. Werden Anfragen an eine Vielzahl von Empfängern versandt, etwa über eine Mailingliste, empfiehlt sich ein anderes Vorgehen: Der Absender legt die Dateien auf einem Web- oder FTP-Server ab und gibt nur die zugehörige URL samt Bescheibung der Dateien weiter. Das reduziert das übertragene Datenvolumen beträchtlich, weil E-Mail hier nicht sonderlich effizient ist und sich nur diejenigen Empfänger die Dateien übertragen müssen, die sie auch betreiben.

Für die Diskussion der verschiedensten Themenkomplexe werden auch im Internet sog. Mailinglisten und Diskussionsforen zu bestimmten Themen geführt. Hierbei benutzt man entweder E-Mails oder Websites mit speziellen Funktionen als Kommunikationsmedium.

  • Bei Mailinglisten schickt jeder Teilnehmer seine Beiträge per E-Mail an einen zentralen Server, den List-Server. Dieser wiederum verschickt Kopien per E-Mail an all diejenigen, die im Verteiler der jeweiligen Liste stehen. Auf den Verteiler kann man sich setzen, indem man eine E-Mail an den List-Server schickt. Hierfür gibt es verschiedene Vorgehensweisen, die der Betreiber der Mailingliste gewöhnlich auf einer Website dokumentiert. Der Vorteil von Mailinglisten: Als Teilnehmer braucht man nicht mehr Informationen preiszugeben als eine E-Mail-Adresse, die Diskussionsbeiträge sind nicht allgemein im Internet zugänglich und die Diskussionsbeiträge kommen per E-Mail ins Haus.
  • Bei Foren benutzt man den Webbrowser, um Beiträge der Teilnehmer zu lesen und ggf. auch selbst zu schreiben. Zumeist kann man in Foren auch ältere Betiträge durchsuchen, ohne sich anmelden zu müssen. Allerdings stehen die eigenen Beiträge auch ungeschützt im Web, so dass man mit der Angabe des eigenen Namens vorsichtig sein sollte und auf keinen Fall seine primäre E-Mail-Adresse angeben sollte.
  • Das klassische Diskussionsmedium im Internet sind Newsgroups. Aus verschiedenen Gründen sind sie in den letzten Jahren weitgehend aus der Mode gekommen.

Bruno Aeschbacher pflegt ein umfangreiches Verzeichnis einschlägiger Kommunikationsmedien.

Die einschlägigen Berufsverbände betreiben elektronische Kommunikationsmedien für ihre Mitglieder. Das verbandsunabhängige Geschehen im deutschsprachigen Bereich konzentriert sich wohl auf Partnertrans und die Angebote von Alexander von Obert.

Auch Betreiber von Social-Networking-Systemen kümmern sich um technische Redakteure und Übersetzer:

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4 Weiterführende Literatur

Siehe zu Literatur in gedruckter Form die Angaben in: Susanne Göpferich (1998): Interkulturelles Technical Writing: Fachliches adressatengerecht vermitteln. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. (Forum für Fachsprachenforschung 40): Tübingen: Narr, Kap. 12.

Der Zugriff auf eine Liste translationsrelevanter Software (elektronische Wörterbücher, Terminologie-Verwaltungssysteme, Translation-Memory-Programme, maschinelle Übersetzungssysteme, Programme zur Darstellung spezieller Zeichensätze u. dgl.) ist möglich über:

Einen guten Ausgangspunkt für die Suche nach Informationsangeboten im Internet für Übersetzer, Dolmetscher und Technische Redakteure bieten die folgenden Adressen: